27
MAI
2021

Restfranken, Altmühltal und viel zu wenig Allgäu

...

Auch die Fahrt hierher war malerisch wie im Märchenbuch. In die sanfte Hügellandschaft gewürfelte Dörfer, jedes mit einer zuckersüßen Kirche versehen, dabei keine wie die andere und eine sogar mit Storchennest plus Storch. Der Stellplatz auf einem Pferdehof mit Biergarten auf einer Höhe umgeben von dunklen Tannen und grünen Wiesen, lässt mich beim Spazieren dauernd das Heidilied singen. Hoffentlich hört mich keiner außer den Kühen… 

Gestern habe ich Gaby und Wim kennen gelernt. Camper aus Neuburg an der Donau mit Hund Joe auf Jungfernfahrt mit einem tollen geräumigen Wohnmobil. Wir trinken Wein und haben schöne Gespräche auf einer Wellenlänge. Sie empfehlen mir einen Campingplatz in der Toskana am Meer und als es seit gestern Abend dauerregnet und laut Wetterapp auch noch mindestens 9 Tage genau so weitergehen wird, entscheide ich heute morgen, das Allgäu zu vertagen und morgen direkt zum Bodensee nach Meersburg zu fahren, wo eine liebe Freundin wohnt, die mich auf der Durchreise auf einem traumhaften Stellplatz in Fahr bei Volkach an der Mainschleife besucht hatte. 

Achja…. Würzburg und Fahr am Main… da war ich ja auch. Würzburg war kurz. Ein leckeres Essen im Bürgerspital und Platzregen und eine Weinbergswanderung mit Regine und Hündin Lady, Bekanntschaften aus Thüngersheim mit anschließender Scheurebe außerhalb der Geschäftszeiten auf dem Weingut am Stein. Tipptopp Service!!!! Der Stellplatz in Würzburg direkt am Main ist optimal für eine Besichtigung der wunderschönen Stadt. Nur, dass ich halt Würzburg gut kenne, weil ich da gewohnt und gearbeitet habe. Es war also mehr ein Heimkommgefühl als eine Stadtbesichtigung.

Überhaupt stelle ich fest, dass mich das Besichtigen von Städten, Burgen, Kirchen und so nicht die Bohne interessiert. Ich genieße gerade das Gesamtbild. Den Blick auf eine Stadt oder eine Landschaft, einen Vogel. Schönheit… keine Informationen. Auch sonst sammle ich keine Informationen und genieße es sehr, mir Nachrichten zu ersparen, die mich nicht weiterbringen. Ich informiere mich ausschließlich über Dinge, die mich direkt betreffen und wenn ich fast aus Versehen z.B. einen Artikel über die Maskenaffäre von Herrn Spahn öffne, kommt mir die Welt da draußen komisch und verdreht vor. Schlechte Masken für Menschen zweiter Klasse…. HUCH. Und zum Glück… not my business.

In Fahr am Main an der Maischleife stehen wir drei Nächte auf einer Wiese mitten in der Natur am Main (3x Main) bei bestem Wetter und wunderbar netten Mitcampern plus Nachtigall. Bis jetzt der romantischste Stellplatz auf meiner Reise. Regine und Lady sind zufällig auch schon da. Die beiden stehen auf der Weininsel und sind hergeradelt.

Der Parkautomat akzeptiert nur Euros und es gibt keine Infrastruktur um Geld zu wechseln. Zu diesem Zweck habe ich die Wahl zwischen Zigaretten am Automaten ziehen oder mit der Mainfähre überzusetzen. Beides unnütz. Da ich nicht rauche, entscheide ich mich für die kleine Fähre und mache einen Spaziergang auf der anderen Seite, den ich auch hätte weglassen können. Für eine zusätzliche Nacht auf dem schönen Platz mit dem Rauchen anfangen scheint mir übertrieben. Im Vergleich zur abwesenden Infrastruktur ist der fränkische Behördenapparat omnipräsent. Ständig lungern Polizisten und Ordnungsamt um den Platz herum. Täglich werden die Coronatests der Camper abgefragt und eine Frau, die versehentlich mit einem PKW auf den Stellplatz fährt erhält noch im Wendevorgang ordnungsgemäß den Strafzettel. 

Der Mitarbeiter vom Ordnungsamt verhört sich allerdings im Gegenzug großzügig beim Datum meines Coronatests: 

"Haben Sie einen aktuellen Test?"

"Oh… huch… brauche ich denn einen? In Würzburg brauchte ich keinen. Ich habe einen aber der ist ein bisschen veraltet."

"Von wann ist der denn?"

"Vom 21.05. (Anmerkung der Redaktion: Wir schreiben den 29.05.)"

"Ah vom 23.05. also. Das akzeptiere ich."

"Oh das ist sehr freundlich."

Bei Abreise stelle ich fest, dass er den 29.05. aufgeschrieben hat. 

So ist meine Reise. Dauernd widerfährt mir Gutes. Ich finde immer schöne Stellplätze und erhasche oft den letzten freien Platz. 

Von Fahr am Main fahre ich zum Brombachsee. Eine Empfehlung der Stellplatznachbarn aus Veitshöchheim. Ich lande auf einem sehr großen Platz mit allerhand Freizeitvergnügen und einem schönen Hundestrand. Mir ist es dort aber zu rummelig und ich bleibe nur eine Nacht.

Weiter geht’s ins Altmühltal auf den Stellplatz Hammermühle bei Altendorf. Hier wandern wir was das Zeug hält. Bei Hitze und ohne schattigen Wald. Die Altmühl ist ein brauner Bach. Die Landschaft malerisch und abwechslungsreich, der Fluss zumindest an meinem Abschnitt überschätzt. Die braune Farbe kommt wohl durch Algenwuchs. Ich mag trotz Hitze kaum den Hund draus trinken lassen und überhaupt gibt es wenige Einstiege.

Der Platz selbst bietet eine Wassertreppe für Kanuten und Bootswanderer. Ich hätte große Lust, doch alleine mit Hund traue ich mich leider nicht. Zwei ruhige Nächte bleibe ich auf dem schönen Platz, dann geht es weiter ins Allgäu auf den Brandstatthof bei Steingaden.

Der Stellplatz ist mit 24€ pro Nacht inklusive Dusche, Kurtaxe und Coronatest aber ohne Strom nicht günstig. Der Bayer lässt sich die Schönheit der Landschaft bezahlen… recht so. Auch das Benzin ist hier deutlich teurer.

Jetzt bitte wieder oben anfangen. 

Logo

© Urheberrecht. Alle Rechte vorbehalten.