27
APR
2021

Niederlande

.....

Weiter auf gepackten Koffern zu sitzen war keine Option und bei unseren entspannten Nachbarn sind die Campingplätze geöffnet. Also ein sanfter Einstieg um uns an den Kasten zu gewöhnen… am Meer… wo es auch während dieses wechselhaften Frühlings immer schön ist.

Dafür mussten Smücke und ich schweren Herzens unsere Blütenwegwanderung verschieben. Wobei sich die Mandelblüte nicht gut verschieben lässt. Aber wir zwei haben immer eine gute Zeit zusammen und werden eine Alternative finden…. Irgendwas mit Wein oder Bier…. oder Erdbeerbowle würde gut zu uns passen. Vielleicht dann doch die Pfalz.

Gesagt getan. Ich stehe also auf einem Campingplatz direkt hinterm Deich und habe täglich die Wahl zwischen Spaziergängen am breiten Strand, im Zauberwald oder am See oder einer Kombi aus allem und kann durch den Komfort des Campingplatzes mit Sanitär, Landstrom, Wasser und allem was sonst noch dazu gehört smooth ins Kastenleben einsteigen. 

Dieses stellt sich in vieler Hinsicht einfacher dar als erwartet. So habe ich zum Beispiel echt viel Stauraum und die Lösung mit einer Klapptreppe für Max (weil das Bett sehr hoch ist) ist auch deutlich weniger nervig als erwartet. Heute herrscht hier Sturm und Regen. Das Auto hat die ganze Nacht gebebt und gewackelt und tut es noch und das ist sehr romanisch…. Hängemattengefühl. Die ersten Tage konnten wir sehr viel Zeit draußen verbringen. Jetzt ist es kälter und wir sind zwar viel spazieren, den „Vorgarten“ mit Liegestuhl und Körbchen habe ich aber wieder in die Heckgarage gepackt und das Leben findet mehr drinnen statt. Auch das ist schön und das bewohnte Auto erscheint mir so geräumig, dass ich mir im Moment gar nicht mehr vorstellen kann, dass es sogar fahren kann.

Andere Dinge hatte ich mir allerdings leichter vorgestellt. Wegen der Kälte ist schon nach einer Woche die erste Gasflasche leer. Dabei habe ich erst zweimal gekocht und den Boiler nutze ich nicht, weil ich ja noch nicht im Kasten duschen muss. Wasser benutze ich gefühlt auch nur zum Zähneputzen und Hände waschen und auch da musste ich schon mal nachfüllen. Das wird noch spannend, wenn ich komplett autark stehe. Außerdem habe ich mich halt mit meinem Krempel ausgebreitet… wenn ich fast jeden Tag weiterfahren will, muss ich immer alles verstauen. 

Auch das wird sich alles einspielen. 

Ich hab viel zu viel Zeug eingepackt. Nach Holland werde ich noch mal in Essen einkehren und umpacken. Ich habe aber noch nicht entschieden, ob ich Holland noch mal verlängere. Dieser Platz ist für das WE nach meiner Buchung ausgebucht, danach aber wieder frei. Ich habe noch nicht nachgefragt, ob es eine Lösung gäbe. Ich glaube gerade auch, dass zwei Wochen am gleichen Ort ausreichen. 

Sonst passiert genau das, was ich mir erhofft hatte im Turbotempo. Schon am zweiten Tag war ich völlig entspannt und meine inneren Themen, die der wahre Grund für diese Auszeit sind (eher eine An-Zeit) trauen sich ans Licht. Und dabei zeigen sie sich nicht etwa wie scheue Rehe sondern fliegen mit täglich – bäm – um die Ohren. 

Einen großen Beitrag dazu leistet ein wunderbares Buch, das mir eine liebe Freundin mit auf die Reise gegeben hat und das sich als wahrer Schatz entpuppt hat. Das will ich jedem ans Herz legen, denn wer nicht den „therapeutischen“ Ansatz für sich nutzbar machen will (was bei mir nebenbei und ganz automatisch passiert ist), der wird sich über den Wortwitz und die Wirrungen der Mafiageschichte schlapp lachen. Versprochen. Noch besser: der brillante Autor hat gleich eine Trilogie draus gemacht.

Achtsam morden Bd.1 von Karsten Dusse als Taschenbuch - Portofrei bei bücher.de (buecher.de)

Über Holland gibt es gar nicht so viel zu schreiben. Holland ist halt schön. Wer`s nicht kennt sollte dringend mal hinfahren. Die Menschen sind entspannt, dadurch sind die Hunde entspannt. Die Strände sind leer, breit und einfach SCHÖN. Die Kinder dürfen Kinder sein ohne kreisende Helikoptereltern, so werden sie dann wohl auch zu den selbstbewussten, unaufgeregten Erwachsenen, die nicht so viele Regeln brauchen. Die Strandbuden vermitteln eine Abhäng-Relaxtheit, die die Deutschen im Verordnungswahn so nicht hinbekämen. Die Holländer… wollen lieber Niederländer heißen… die Niederländer sind auf eine distanzierte Weise offen und freundlich. Deshalb können sie wahrscheinlich auch diese großen Fenster zur Straße haben, durch die man mitten ins Leben schauen könnte. Aber hier glotzt man anderen nicht auf den Teller. Hier kümmert man sich um seinen eigenen Tanzbereich. 

Seit Tagen liegt der Hund unangeleint auf meiner Parzelle vor dem Kasten und chillt nach ausgedehnten Spaziergängen, Bällchenspielen und Rumhängen am Strand. Da laufen Menschen vorbei, Menschen mit Hunden, Katzen. Der Hund ist nicht interessiert und liegt. Dann kommt nach Tagen ein älteres Paar vorbeispaziert. 

„Ooooh der ist aber brav. Wie der da liegt. Der interessiert sich ja gar nicht. Wie heißt er denn“

„Max“

„Max komm mal her. Max. Maxi. Komm.“

„Nein lassen Sie ihn bitte, er soll genau so entspannt liegen bleiben, wenn Leute vorbei gehen. Danke“

„Ach ja… das ist ja toll, wie der da liegt und sich gar nicht interessiert“

„Genau“

Eigentlich wollte ich ja über Holland erzählen und jetzt ist es eine Melange über Kastenleben, Innenleben, Menschen und Buchempfehlung geworden.

So ist das gerade bei mir: Es gibt keine Regeln und kein Muss.

Im Buch ist Freiheit in einem Satz definiert, den ich genau so für mich unterschreiben will:

Nur ein Mensch der einfach mal nicht tut, was er nicht will, ist frei!

So, die Sonne scheint wieder…. Ich bin dann mal so frei…. Tschüss.

Logo

© Urheberrecht. Alle Rechte vorbehalten.